Erwartungen an die integrative Medizin
Integrative Medizin kann beide Wege, den schulmedizinisch-pharmazeutisch-materiellen und den energetischen (ganzheitlichen) verstehen und auf beiden Wegen und mit weiteren Konzepten sinnvoll für die Gesundheit arbeiten. Wir sind der materielle Körper und die ihn beseelende Lebenskraft, das ist untrennbar. Integrative Medizin, eine so ausgebildete Ärztin, kennt die Pathologie der Zelle genauso wie sie die Reaktionsweisen der Lebenskraft kennt, erkennt ihre Krankheitsäusserungen und hat v.a. homöopathisch nahezu unendlich viele Mittel und viele adjuvante, dabei vornehmlich unschädliche Wege, beide zu beeinflussen und wieder in Einklang zu führen. Die hohe Kunst ist die Kunst der Synthese. Und es wird mit weiterem Fortschreiten unserer neuen und vielfältigen pharmakologischen Anwendungen heute und in Zukunft zunehmend die Kunst, alles, was zuvor die Lebenskraft gestört und fast zerstört hat, wieder zurecht zu rücken. Wir löschen gehabte krankmachende Einflüsse energetisch und komponieren Gesundheit mit dem was fehlt und indem wir die Lebenskraft unterstützen. Durch die Kombination von Nährstoff-Therapie, „Lebenskaftlenkung“ hin zur Gesundheit und Lifestyle Änderungen eröffnet sich ein wunderbarer Weg.
Das heisst nicht, dass die ganzheitliche Auffassung nun alle Krankheiten beseitigt und alles Übel aus der Welt verschwindet, aber sie erscheint als der Königsweg, der mindestens mit allen anderen, idealerweise vor allen anderen, beschritten werden sollte.
Dies auch dann oder gerade dann, wenn die Krankheit sehr schlimm, stark ausgeprägt und oder bedrohlich ist. Gerade dann entscheidet die Lebenskraft, was geschafft werden kann und was nicht. Die Lebenskraft ist unser aller Hoffnung, sie müssen wir unterstützen und ihr müssen wir helfen, den Körper wieder gesünder werden zu lassen. Wo wir ihr nachhaltig schaden, richten wir kaum wieder gut zu machenden Schaden an. Ganzheitliche Medizin ist nichts, womit wir anfangen, wenn es ein bisschen Hilfe benötigt oder wenn eh alles zu spät scheint, sie ist der sinnvollste Anfang der Behandlung einer jeden Krankheit, je früher je besser.
Psyche, Glaube und das psychosomatische Krankheitskonzept
Wer den Menschen nicht auftrennt, ihn in der Gesundheit wie in der Krankheit als Ganzes betrachtet, der erkennt, dass jede Erkrankung (ausser den klassischen genetisch bedingten Erkrankungen vielleicht) ihre Wurzeln in allen Bereichen hat, in den Genen, in der Regulation der Genexpression, epigenetisch, im Immunsystem, im Darm, im Geist, im Herzen, in der Seele, in der Biographie und in den Lebensumständen und extrem weiter gefasst für diejenigen, die diese Weltanschauung haben, in der Geschichte aller gehabten und vielleicht sogar parallel stattfindenden Inkarnationen.
Zu sagen, wenn wir etwas (über die Pathologie der Krankheit in den Zellen) wissen, dann ist das die Krankheit und wenn wir es nicht wissen ist es wahrscheinlich psychosomatisch, offenbart das Dilemma unserer einseitigen schulmedizinischen rein materiellen Betrachtung wie kaum ein anderer medizinischer Sachverhalt.
Zu sagen, eine Krankheit sei psychosomatisch erscheint also genauso falsch, wie zu sagen, sie sei rein körperlicher Ursache. Wir könnten immer abweichende körperliche Parameter finden, wenn wir nur lange genug und tief genug suchen würden und jeder psychosomatischen Krankheit auch einen somatischen Namen geben, der ein Ungleichgewicht der Hormone oder Neurotransmitter oder der Genexpression beschreibt. Da sich die schulmedizinischen Diagnosen ohnehin in der Regel auf Zustandsbeschreibungen auf lateinisch reduzieren lassen (Gelenkentzündung am Knie-Gonarthritis, Magenschmerz- Gastralgie, Magenentzündung-Gastritis, Arthrose der Hüfte – Coxarthrose usw.), wird es schwierig. Oft ist es schliesslich einfach nur dem Unwissen oder dem nicht Untersuchen oder dem nicht Benennen geschuldet, wenn erklärt wird, etwas sei psychosomatisch. Das entbindet den Arzt nicht davon, Psychodynamik zu verstehen und die entsprechenden Lebens- und Krankheitsäusserungen zu begreifen und in der Gesprächsführung anzuwenden, aber damit hat sich die Rolle der Psychologie auch für den integrativ tätigen Arzt begrenzt.
Anders herum gibt es sehr viele und typische seelische Auslöser, manchmal auch Ursachen für manifeste körperliche Krankheiten, für die es schliesslich „schulmedizinische“ körperlich lautende Diagnosen gibt, so dass die künstliche Unterteilung jeden gründlichen Betrachter nur verwirrt zurücklassen kann.
Wenn die homöopathische Behandlungsweise für eines berühmt ist, dann für ihre Behandlungs-Möglichkeit, auch großen Kummer von innen heraus zu mildern und Ängste auszulöschen.
Wir adressieren mit der ganzheitlichen Behandlung alles, was ist, alles was leidet, egal auf welcher Ebene (materiell und energetisch) und auch egal, ob wir es erklären können oder nicht. Wir suchen zeitlich erkennbare Zusammenhänge zu Behandlungen und Situationen und ziehen schliesslich einen Kreis um alle Beschwerden und benutzen für den einen Menschen mit dem Rückenproblem andere Arzneien als für den anderen Menschen mit scheinbar demselben Rückenproblem.
Die Erfahrung zeigt, dass wenn wir vergessen, einen wichtigen Bereich der Ganzheit mit einer Arznei abzudecken, wir oft keinen nachhaltigen Erfolg mit der Behandlung haben.
Muss ich an die Behandlung glauben?
Eine Frage, die häufig gestellt wird und die, Dank unseres medialen Umfeldes, nicht verwundert, lautet: muss ich an die Wirksamkeit glauben? Ganz eindeutig nein. Entweder die Arzneigaben sind zutreffend und ähnlich genug zum Problem oder den Problemen, dann helfen sie und führen zu deutlichen und anhaltenden Besserungen oder sie sind nicht ausreichend ähnlich und zutreffend genug gewählt oder es gibt eine unberücksichtigte Blockade, die zuerst aus dem Weg geschafft werden muss, dann werden sie nicht wirken, egal ob Sie daran glauben und auf die gute Wirkung hoffen. Bei akuten Krankheiten kann man es besten sehen: gut und passend gewählte Akutmittel in der richtigen Potenz reduzieren Beschwerden und Fieber innerhalb von 3-6-12 Stunden sehr deutlich (30-50% Besserung der Beschwerden in Intensität und Häufigkeit) während nicht ganz oder gänzlich unpassende Mittel nicht oder nur schwach wirken (5-10% Besserung), natürlich auch abhängig davon, was wir behandeln, welche Pathologie bzw. Krankheit wir behandeln. Den Beginn einer viralen Erkrankung werden wir schneller heilen, als eine seit 2 Wochen bestehende Lungenentzündung.
Placebo Effekte
Sicherlich treten, wie in anderen Behandlungen auch, auch beim ganzheitlichem Ansatz Placeboeffekte auf, aber ein versierter Arzt kann die Effekte unterscheiden.
Das Wesen von Placeboeffekten ist, dass sie sich graduell von echten Besserungen erheblich unterscheiden („…vielleicht habe ich mich doch in den ersten Tagen nach dem Mittel etwas besser gefühlt“) und sehr schnell vorübergehend sind, das heisst, dass sie im Gegensatz zu echten Besserungen, nur einige Tage maximal anhalten und dann ist alles beim Alten. Echte Besserungen brauchen länger, um sich zu entfalten, halten Wochen bis Monate an und fallen nicht vollständig auf das Beschwerde-Ausgangsniveau zurück, sondern ein Teilerfolg bleibt immer erhalten und die Weiterbehandlung führt schrittweise zu weiteren Besserungen.
Ich habe noch nie einen Placebo Effekt bei einer akuten Infektion mit Fieber erlebt, das Mittel passt und heilt oder passt nicht und heilt nicht. Glauben hilft nicht und schadet nicht.
Psychische Bereiche aus Sicht des ganzheitlichen Arztes und Abgrenzung
Fast niemand von uns ist frei von innerseelischen Konflikten. Die Biographie hat selbstverständlich einen Stellenwert (schwere Traumata werden Narben hinterlassen). Erfahrungsgemäss hilft die homöopathische Behandlung, seelisches Leid zu erleichtern. Eine ganzheitliche Behandlung ermöglicht seelische Entwicklung, ohne sie primär anzustreben. Dementsprechend ist es nicht Ziel und Aufgabe des ganzheitlichen Arztes, Psychoanalyse oder Psychotherapie zu betreiben. Der homöopathische Arzt beschränkt sich bei der Fallaufnahme auf das, was ist, rein faktisch vorliegt, ohne darüber irgendwelche Spekulationen anzustellen (wieso es gekommen wäre) und erhoben wird seelisch einzig das, was an Symptomen derzeit den Menschen belastet. Dabei schauen wir, ob es Parallelen in der Auslösungssituation zeitlich gegeben hat, die wir kausal mit einer Arznei adressieren können und konzentrieren uns im Übrigen einzig auf die Punkte, was sich verbessern soll (z.B. innere Unruhe, konkrete Ängste, undefinierbare Ängste usw..) Wer keine seelischen, gemütsmässigen Probleme empfindet, bei dem werden auch keine solchen thematisiert oder gesucht. Wir konzentrieren uns immer nur auf Ihr Anliegen, Sie wissen, was Ihnen in Ihrer Gesundheit fehlt.
Die Rolle der Medikamente und gehabten Behandlungen
Die meisten Menschen ziehen nicht in Betracht, dass die Medikamente und Behandlungen, die wir schulmedizinisch anwenden, nachhaltig die Gesamt-Gesundheit stören können. Den meisten Menschen ist es kaum vorstellbar, dass die verordneten Mittel Hauptursache weiterer sich entwickelnder Krankheiten sein könnten.
Die sogenannten „Nebenwirkungen“ werden gewöhnlich nur für die akute Spanne der Einnahme/Anwendung betrachtet, aber selbst während der Einnahme ziehen weder Arzt noch Patient seltene Nebenwirkungen in die Überlegungen ein und ziehen es nicht in Betracht, die häufigsten Standard-Arzneimittel als Ursache für weitere Beschwerden anzusehen.
Lediglich sehr häufige und typische schwere belastende Nebenwirkungen (z.B. Husten bei ACE -Hemmern) führen dazu, die weitere Einnahme in Frage zu stellen.
Ein nachhaltiger Gesamtzusammenhang wird, also fast ausnahmeslos, wenn die Anwendung in der Vergangenheit liegt, so gut wie nie hergestellt, weder vom behandelnden Arzt noch vom Patienten. Bei mit dem Leben aus Sicht des Arztes einigermassen zu vereinbarenden Nebenwirkungen findet man die angestrebte Hauptwirkung so wichtig, dass man zu dem Konsenz kommt, Beschwerden wie Schwindel, kognitive Störungen, Schlafstörungen usw. eher dem Älterwerden zuzuordnen, als ein Arzneimittel zu verdächtigen, es abzusetzen und es mit einem Auslassversuch zu testen.
Es zeigt sich, dass die meisten Menschen eher ihre Ernährung (obgleich sie natürlich wichtig ist) und sogar weit hergeholte weitere Überlegungen in Verdacht ziehen, eine Krankheit zu bedingen, als die gehabten medizinischen Anwendungen und Einwirkungen auf ihre Gesundheit in einem zeitlichen Kontext kritisch zu analysieren.
Die meisten Menschen unterschätzen massiv den nachhaltigen Einfluss dieser Anwendungen mit allen Folgen. Wir Ärzte lernen im Studium eine einseitige Betrachtungsweise auf die Erfolgsseite unserer Behandlungen. Die weitergehende Betrachtung in einem Gesamtzusammenhang wird oft nicht unternommen. Die Erstellung eines Lebenslaufes der individuellen Erkrankungs-Geschichte zeigt oft klar auf, wo und unter welcher Behandlung die Dinge ernsthaft begonnen haben, sich in die falsche Richtung zu entwickeln. Niemand hat heute Zweifel, eine Cortisoncreme anzuwenden, ein Antibiotikum einzunehmen, wenn es nötig erscheint, eine Injektion von was auch immer vorzunehmen, eine Operation/Zahnbehandlung, die nötig erscheint anzugehen usw.. Und es ist wichtig zu betonen, dass all das sinnvoll sein kann zu einem Zeitpunkt X, aber dass alles potenziell auch andere nachhaltige Folgen haben kann, das sehen wir nicht, solange wir nicht hinschauen und zu einem Zeitpunkt Y bedenken und behandeln müssen.
Als integrativ tätiger Arzt schaut man auf die Lebensläufe und betrachtet zeitliche und kausale Gesamtzusammenhänge und wird die Nebenwirkungen in einer anderen Dimension erkennen und muss sie zu einem bestimmten Zeitpunkt der Behandlung der chronischen Erkrankung mit einer Behandlung adressieren, wenn der Mensch wieder gesund werden soll. Kinder und Jugendliche geniessen sehr viele vorsorgliche Behandlungen und haben heute chronische Erkrankungen in unvorstellbarem Ausmass.
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